Der nun folgende Bericht wurde mir freundlicherweise per eMail von Timo aus Shanghai
zugesendet. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei Timo herzlichst für seine
Fotos und seine Mühe bedanken.
Hallo Niere!
In letzter Zeit gab es einige Gerüchte, dass Napalm Death in Shanghai spielen würden. Da ich dort gerade für ein halbes Jahr wohne, mußte ich der Sache natürlich auf den Grund gehen. Auf der Suche nach der exakten Zeit und dem konkreten Ort bin ich dann auf deiner Webseite gelandet und hab mich n bisschen darin umgeschaut. Sehr cool - obwohl ich dort natürlich auch nichts über das Konzert erfahren konnte. Letztendlich hab ich aber an anderer Stelle doch noch gefunden, was ich wollte.
Das Konzert fand dann am 15. September um 15:00 Uhr (!) im Technoclub (!) "ABSOLUTE"
in Shanghai statt. Es war mördermäßig gut und die chinesischen Fans sind tierisch
abgegangen. Ich habe mehrfach von ihnen gesagt bekommen, dass es das erste mal sei,
dass eine Band dieses Genres in China auftrat. Was anbetrachts des politischen
Hintergrunds der Band in diesem Land wohl wirklich einer Sensation gleich kam. Ich
sollte kurz erwähnen, dass die Band The Exploited in der selben Woche hier
auftreten wollte, es ihr aber letztendlich von den chinesischen Behörden untersagt
worden ist. Barney hat während der Show mehrfach erklärt, wie stolz er sei, diese
Pionierarbeit zu leisten :-)
Leider kann ich dir mit keiner Setlist dienen, dafür kenne ich die Lieder der Band
viel zu wenig. Dafür hab ich dir ein paar Fotos mitgeschickt. Hab aber auch schon
Napalm Death Konzerte in Deutschland und Frankreich gesehen. Das Konzert in
Shanghai war aber wirklich etwas besonderes. Auch der Sound war perfekt. Nach dem
Konzert stand die Band noch ne halbe Stunde für Autogramme und Fotos bereit. Das
war echt anständig von denen, da dieses Konzert wohl für viele (nicht nur)
chinesischen Fans ein Highlite war. War ja aber allerdings auch erst 17:30 zu der
Zeit! Da mußte die die Band noch nicht ins Bett! :-)
Es waren ca. 350 Leute im Saal und das Konzert dauerte ca. 1,5 Stunden. Es gab keine
Vorband. Die einheimischen Fans waren meist sehr jung, dh. um die 20 Jahre alt.
Manche waren sogar erstaunlich textsicher. Ich hab mich nach dem Konzert mit einigen
von ihnen unterhalten. Sie meinten, dass sie konzertmäßig bisher noch nie so etwas
erleben durften und jetzt voller Hoffnung sind, bald weitere Bands sehen zu können,
deren Musik und Texte von den chinesische Behörden noch nicht geduldet sind. Obwohl
die Eintrittspreise für chinesische Verhältnisse ziemlich hoch waren (ca. 20,- Euro)
haben mir alle versichert, dass sich das lange sparen gelohnt hat und die Show jeden
Quai wert war!
Ich vermute, der Eintritt war nur deshalb so teuer, weil das Konzert, wie bereits erwähnt in nem Schickimicki-Techno-Club stattfand und deren Betreiber wohl die Preise nach ihren Maßstäben festgelegt hatten. Umso schöner, dass nicht nur Langnasen wie ich ihren Weg dorthin fanden!
Auf jeden Fall hab ich mich an deine Webseite erinnert und gedacht, dass es sicherlich kein Fehler ist, dir ein paar Fotos zu schicken. Was du davon hältst und damit anstellst ist aber natürlich letztendlich deine Sache :-)
Die besten Grüße aus Shanghai,
Timo
"Nazi Punks Fuck Off!"
Lange hatte ich auf diesen Tag gewartet. Ursprünglich wollte ich mir eigentlich per Internet eine Eintrittskarte für dieses Konzert bestellen. Die hatte ich dann vor einzuscannen um sie dann anschließend hier als Grafik einzubauen. Die horrenden Vorverkaufsgebühren haben mich dann doch so beeindruckt, dass ich letztendlich davon Abstand genommen habe.
Es war mir leider klar, dass an der Abendkasse im Underground in Köln, keine Eintrittskarten ausgehändigt werden, sondern es wie immer einen Kerl mit einem Stempelkissen geben wird, der uns einen Stempel auf die Hand drücken würde. Und so kam es dann auch. Na ja, wer nicht Vorverkaufsgebühren zahlen will muss waschen.
Anstelle einer Abbildung der Eintrittskarte gibt es dafür an dieser Stelle ein paar Fotos die ich mit meiner Digitalkamera gemacht habe. Allerdings sind das nicht die üblichen Live-Fotos wie man sie von anderen Veröffentlichungen her kennt. Ich habe hierbei etwas mit den Belichtungszeiten herumgespielt.
Bislang war mir nur bekannt, dass Born From Pain an diesem Abend als Vorgruppe auftreten würden, doch hatte ich auch schon mal etwas irgendwo im Internet gelesen, dass eine zweite Vorgruppe mit am Start sein könnte. Es blieb also spannend.
Als ich gegen 19:45 Uhr den kleinen Saal des Underground betrat lag dieser in einem gemütlichen Halbdunkel. Auf der Bühne waren noch ein paar Leute mit Aufbauarbeiten beschäftigt, und vor dem Verkaufsstand mit den T-Shirts und Tonträgern standen schon einige Kaufwillige Fans. Vor der Bühne war noch keine Seele. Der Bühne gegenüber, am anderen Ende des Raumes auf einem kleinen Podest, befindet sich im Underground immer die Theke mit dem Mischpult und der Lichtorgel. Nun ist das Underground keine riesige Halle, sondern ein gemütlicher Club, und zwischen der Bühne und der kleinen Empore mit dem Mischpult liegen nur etwa 8 bis 10 Meter. Neben der Theke mit dem Mischpult standen drei Barhocker von denen einer besetzt war. Da ich nicht wusste was noch alles auf mich zukommen sollte bis endlich Napalm Death die Bühne betreten würden, steuerte ich einen dieser Hocker an, und gesellte mich zu dem Fan der sich ja bereits dort eingefunden hatte. Wir kamen auch sofort ins Gespräch, und verkürzten uns so die Zeit bis zum ersten Ton der ersten Band dieses Abends.
Das waren fünf junge Burschen; aus England glaube ich. Den Namen habe ich nicht verstanden. Die Mucke dieser Combo war zwar zeitweise recht flott, jedoch von überflüssigen Melodien und Soli seitens der beiden Gitarristen geprägt. Der Sänger schrie zwar ganz manierlich ins Mikro, aber letztendlich war das nichts was mich vom Hocker riss (auf dem ich mich ja auch tatsächlich befand). Als dann auch noch der Bassist auf einmal mit richtigem Gesang begann, und damit wohl eine besondere Note in Kombination mit dem Geschrei des Frontmannes setzen wollte, war in meinen Augen (bzw. Ohren) der Zug für diese Mannen abgefahren. Nicht, dass er die Töne nicht getroffen hätte, nein er sang recht ordentlich, aber warum, frage ich mich. Und dann auch noch das Gedudel des Lead-Gitarristen. So richtig vielgeübte Metal-Soli. Man muss diesen Burschen zu gute halten, dass sie wohl erst Anfang zwanzig gewesen sein dürften, und dafür schon technisch sehr gut spielten. Aber die Mucke war komplett seelenlos. Manchmal erinnerte mich das Ganze an Caliban. Na ja, zum Glück war die Sache nach einer halben Stunde überstanden.
Nach der obligatorischen Umbaupause kamen dann Born From Pain auf die Bühne und spielten so eine Art Metalcore. Diese Band kam aus Holland und war der deutschen Sprache mächtig. Somit gab es zu einigen Stücken vorab ein paar kurze einleitende Worte. Daraus ergab sich dann, dass die Einstellung (dieser ebenfalls fünfköpfigen Band) voll o.k. war. Auch der Sänger kam sehr sympathisch rüber. Manchmal klang sein Geschrei richtig nach einer quiekenden Sau. Äußerst spaßig. Diese Typen waren einige Jährchen älter als ihre Vorgänger, was sich auch musikalisch bemerkbar machte. Hier standen nicht massenhafte Breaks im Vordergrund, sondern eine Band die etwas auszusagen hat. Alles in Allem war das ein gelungener Auftritt der nach etwas mehr wie einer halben Stunde sein Ende fand.
Kurze Zeit später, nachdem Born From Pain von der Bühne verschwunden waren, tauchte auch schon Danny Herrera hinter dem Schlagzeug auf, und begann mit dem Soundcheck. Neben ihm erblickte ich kurz darauf auch Mitch Harris mit Klampfe. Und siehe da, die fette, mit leichter Tonsur gezeichnete Frisur von Shane Embury war nun auch auf der Bühne zu sehen. Mitch und Shane waren relativ schnell mit ihrer Stimmerei und dem Soundcheck fertig, womit nun die Trommelfelle des Herrn Herrera auf ausreichend Lautstärke eingestellt wurden. Nachdem die Tomtoms, die Snare und der andere Kram gecheckt waren, raste nun die Doublebass durch die Lautsprecher. Sofort war das Publikum mit lauthals geäußerter Begeisterung zur Stelle. Was dieser Mann allein beim Soundcheck aus seinem Schlagzeug herausholte war mehr als das bisher von zwei Bands bereits gebotene. Der Soundcheck ging dann auch recht zügig über die Bühne.
Kurz vor 22:00 Uhr ertönte dann endlich "Weltschmerz" als Intro aus den Boxen, und Napalm Death eröffneten das Gefecht mit "sink fas let go" vom neuen Album "smear campaign". Nach diesem ersten Titel stellte Barney dann in perfektem Deutsch die Band mit den Worten vor: "Hallo wir sind Napalm Death aus Birmingham." Das kannte man bisher nicht von dem Briten. Im Laufe des Auftritts sollte es sogar noch einige Male vorkommen, dass Barney ein paar deutsche Sätze fallen ließ.
Zuerst stand das neue Album im Vordergrund. Es wurden einige richtig schnelle Kracher zum Besten gegeben. Der Sound war heute absolut klasse. Im Gegensatz zu meinem letzten Napalm Death-Konzert im letzten Jahr in Trier, hatte ich diesmal auch keine Sekunde das Gefühl, dass die zweite Gitarre von Jesse fehlt. Das Gitarrenspiel von Mitch war grandios. Nachdem sie einige Titel von "smear campaign" gespielt hatten wurde "breed to breathe" eingeschoben. Und genau bei diesem Stück hatte ich letztes Jahr noch so ein Gefühl als ob Jesse fehlt, was nun aber in keinster Weise mehr der Fall war. Von der ersten LP spielten Napalm Death natürlich "scum", "siege of power" und "life?". Nachdem sie mit "life?" fertig waren, wurde noch schnell "you suffer" losgekracht, und Barney stellte begeistert fest, das sie sich vor einem überaus aufmerksamen Publikum befanden. Denn die zwei Sekunden von "you suffer", die kurz nach Beendigung von "life?" im Eiltempo noch eingeschoben worden sind, wurden selbstverständlich sofort als eigenständiges Lied erkannt und mit dem gebührendem Beifall belohnt.
Ich schätze mal, dass vom neuen Album ca. die Hälfte der Titel gespielt wurden. Das an Tom G. Warrior erinnernde "Uuhhhh" welches Barney ein paar mal in "puritanical punishment beating" von sich gibt fand beim Publikum großes Gefallen. Nach Beendigung dieses Titels kamen einige "Uuhhh"-Rufe aus dem Publikum die dann sofort seitens Barney sofort erwidert wurden. Sehr amüsant.
Das etwas aus der Rolle fallende psychedelische Titelstück des neuen Albums "smear campaign", in dem Barney teilweise mit seiner normalen, ungebrüllten Stimme, zu Werke geht, war auch mit von der Partie; und absolut super. Zwischendurch erzählte Barney auch noch ein etwas über den Inhalt des neuen Albums. Also, dass es dort um Religionen und deren Sinn und vor allen Dingen deren Unsinn geht.
Ob es nun eine gute Idee war "In Deference" zu spielen, und den Gesangspart von Gastsängerin Anneke Van Giersbergen vom Band ablaufen zu lassen, weiß ich nicht. Perfekt gespielt war der Titel natürlich, aber eine leibhaftige Anneke auf der Bühne hätte sich selbstverständlich viel besser gemacht. Da der Titel aber eine absolut klasse Atmosphäre hat, die ohne die Stimme von Anneke bestimmt nicht so rübergekommen wäre, musste es wohl so sein.
Vom letzten Album wurde das Stück "the code is red ... long live the code" gespielt, und unter den Zugaben befand sich natürlich der Dead Kennedys - Song "Nazipunks fuck off". Das Resultat war mal wieder, dass ich bis auf die Knochen nass geschwitzt gewesen bin, und sau viel Spaß gehabt habe. So viel Spaß, wie ich ihn sonst bei keiner anderen Band bekomme.
Nach dem Auftritt gaben Mitch, Barney und Shane noch artig einigen Fans vor der Bühne die Hand. Der Laden war beim Auftritt von Napalm Death richtig voll, und damit waren ideale Bedingungen zum Stagdiving, was auch dementsprechend ausgenutzt wurde. Ja, dieses Konzert war mal wieder Genuss pur.
Als schließlich alle Bandmitglieder bis auf Mitch von der Bühne verschwunden waren, machte sich der Pulk auf, die Lokalität zu verlassen. Und da das im Gänseschrittchentempo vorwärts ging, entschloss ich mich noch ein paar Minuten abzuwarten, und zu beobachten was sich denn noch auf der Bühne tut. Und siehe an, einige Fans gingen auf Mitch zu, der seinen Verstärker am abbauen war, um ihn um Autogramme zu bitten.
Nachdem die Autogrammjäger alle verschwunden waren, bin ich dann auch auf Mitch zugegangen und habe ihn angequatscht. Zunächst habe ich ihn mal gefragt, wie es denn um sein Projekt Meathook Seed steht. Ob es da in Zukunft noch mal eine neue Platte geben wird. Darauf berichtete er mir, dass er im Augenblick mit dem Sänger von Meathook Seed zusammen an einem Projekt arbeitet, welches allerdings eher in Richtung Elektronik-Musik geht. Dann meinte er noch, dass mir diese Musik vielleicht nicht gefallen würde, weil sie gar nichts mit der von Napalm Death gemeinsam hat. Es würde aber jedenfalls im Internet ein paar Stücke die aus diesem Projekt hervorgehen würden zu herunterladen geben. Nachdem ich ihm nun während unserer Unterredung berichtet hatte, dass ich der Besitzer der Domain napalm-death.com bin, und er sich doch bitte mal in mein Gästebuch eintragen solle, sagte er mir, dass Napalm Death vor ein paar Jahren sich diese Domain sichern wollten, sie aber da schon vergriffen gewesen war. Dann fragte er mich ob es denn möglich wäre an diese Domain heranzukommen. Da musste ich ihn leider enttäuschen. Als er dann aber von mir hörte, dass ich ständig bemüht sei die Tourdaten aktuell zu halten, und dass es sehr viele Fans gibt die meine Website besuchen, war er doch recht zufrieden. Nun lag ihm auf einmal gar nicht mehr so viel daran diese Domain zu erhalten. Nein er machte sogar einen glücklichen Eindruck und gab mir zum Abschied mindestens viermal die Hand, und versprach mir eine eMail zu schicken.
Na da bin ich ja mal gespannt. Sein Bandkollege Shane hatte nämlich letztes Jahr das gleiche gesagt, und ich habe bisher noch keine eMail von ihm bekommen. Trotzdem kann ich nur sagen, dass Mitch ein sehr netter Kerl ist, und es eine sehr angenehme Begegnung war.
Dann bis nächstes Jahr.
Die beiden folgenden Bilder von Mitch und Marc sind mir netterweise von Dietmar H.
zur Verfügung gestellt worden.
Dietmar war ebenfalls an diesem Abend im Underground, jedoch war er näher an der
Bühne und konnte daher u.a. diese beiden Schnappschüsse machen.
- Vielen Dank Dietmar!
© Niere
Fast zwei Stunden Autofahrt habe ich für dieses Konzert in Kauf genommen - die sich aber gelohnt haben. Als "The Ultimate Summer Blast Open Air" ist diese Veranstaltung angepriesen worden. Wie ich nun allerdings endlich im Hof des Exhaus gestanden habe, musste ich eine leere Sommerbühne erblicken. Damit stand für mich sofort fest, dass es wohl zu einem nicht durch Frischluft geprägten Abend kommen würde. Vor vielen Jahren hatte ich mir mal Bolt Thrower im Exhaus angesehen und daher schon eine kleine Ahnung was nun auf mich zukommen würde. Dazu muss man wissen, dass die Bühne vom Exhaus sich in einem schmalen Kellergewölbe befindet, wo es keine nennenswerte Frischluftzufuhr gibt.
Napalm Death waren die Headliner dieses Abends, und des weiteren waren noch sechs Bands an diesem Festival beteiligt. Behemoth aus Polen hatten ihren Auftritt leider kurzfristig abgesagt, wobei ich diese Truppe gerne einmal gesehen hätte.
Als ich nun dieses Gewölbe betrat spielten gerade Diecast aus den USA genau jenen Titel, welchen ich ein paar Minuten zuvor noch im Auto laufen hatte. Nach weiteren vier Stücken war ich allerdings fürs erste mal bedient. In diesem Gewölbe herrschten abartige Temperaturen und darauf hatte ich mich nun mal gar nicht eingestellt. Außerdem war ich ja auch hauptsächlich gekommen um mir Napalm Death anzusehen, und daher ging ich wieder zurück in den Hof. Ach ja, die restlichen Bands waren übrigens die bereits erwähnten Diecast, Most Precious Blood, Dew Scented, Maroon, Walls Of Jericho und Caliban.
Nach wenigen Minuten die ich im Hof gestanden hatte, fiel mir ein Typ ins Auge welcher im ersten Stockwerk des Gebäudes auf der Fensterbank saß, und sich das Treiben unter sich zu Gemüte führte. Nach genauerem Hinsehen bestand für mich kein Zweifel mehr daran, dass es sich dabei um Danny Herrera handelte. Nun hielt ich die Augen mit gesteigertem Interesse auf die Fenster des ersten Stockwerkes gerichtet. Nach einiger Zeit kam nun auch noch die unverkennbare Frisur von Shane Embury im Hintergrund zum Vorschein. Damit stand für mich fest, dass ich die Backstage von Napalm Death entdeckt hatte.
Das brachte mich auf den Gedanken, endlich dafür zu sorgen pünktlichere Updates des Tourkalenders von Napalm Death zu organisieren. Also machte ich mich auf den Weg ins Gebäude. Ohne Umwege fand ich sofort eine Tür mit der Aufschrift "Backstage - Naplam Death Members Only". Nach zweimaligem Klopfen ohne Resonanz machte ich die Tür einfach auf, und stand vor drei Roadies und einem am Tisch sitzenden Shane Embury. Ich erklärte ihm, dass ich der Webmaster der Internetseite www.napalm-death.com sei, welche sie freundlicherweise sogar auf ihrer Homepage mit aufgelistet hätten, und ein Anliegen bezüglich der Tourdaten habe. Zuerst etwas argwöhnisch, aber letztendlich sehr freundlich, stand mir Shane dann Rede und Antwort, und gab mir schließlich noch seine eMail-Adresse mit der Aufforderung, dass ich ihm mein Anliegen noch mal per eMail zukommen lassen solle damit er die Sache nicht vergesse. Er würde dann mit der Webmasterin sprechen, damit ich in Zukunft immer auf dem neusten Stand in Sachen Tourdaten bin. Am Ende unserer Unterhaltung reichte er mir noch seine Hand und ich konnte mich frohen Mutes wieder ins Getümmel stürzen.
Inzwischen spielte eine der bereits erwähnten Bands, welche ich allerdings nicht erkannte. Die sägten den typischen Death Metal wie er im Augenblick von Hunderten gespielt wird. Und diese Mucke konnte mich nicht dazu bringen mehr wie zwei Stücke lang in der Sauna zu verweilen.
Als ich das nächste mal im Gewölbe nachsah was es dort für ein Gegrunze gibt, spielten gerade Walls Of Jericho. Die Frontfrau machte richtig Action und kreischte super hysterisch ins Mikro. Nach dem dritten Titel, den ich mir reingezogen hatte, lief mir die Brühe den Rücken herunter. Es war inzwischen unerträglich heiß geworden, und so gut fand ich deren Mucke nun auch schon wieder nicht, als dass ich nun zum Saunaboy mutieren wollte. Also machte ich mich noch mal hinauf in den Hof zum Luft schnappen.
Die letzte Band vor Napalm Death waren Caliban. Deren Auftritt hatte ich mir als ersten für diesen Abend von Anfang bis Ende angesehen. War ganz ok, aber nicht gerade der Traum meiner schlaflosen Nächte. Das ging mir dann doch zu sehr in Richtung Heavy Metal. Und auch von der Geschwindigkeit her konnten Caliban mich nicht überzeugen. Interessant war allerdings der Frontmann, welcher vom Outfit eher an eine New Wave Band aus den achtziger Jahren erinnerte.
Um 23:15 Uhr war es dann endlich soweit. Die vier Mannen von Napalm Death kamen auf die Bühne, und spielten ihre Stücke noch einen Tick schneller als gewohnt. Für meinen Geschmack war zwar die Klampfe von Mitch etwas übersteuert, und es gab auch zwei technischbedingte Aussetzer seines Amps, aber an Grandiosität waren Napalm Death wieder einmal unübertroffen. Mitch schrie seine zweite Stimme so energiegeladen wie selten ins Mikro, Marc war souverän wie immer, Shane der Brachialbassist schlechthin, und Danny ein Tier. Für mich war dieser Gig der erste Auftritt bei dem Napalm Death sich als Quartett präsentierten. Manchmal glaubte ich die zweite Gitarre zu vermissen, letztendlich war dieses Konzert aber genauso genial und kraftvoll wie alle anderen Gigs von Napalm Death die ich in vergangenen Jahren gesehen habe. Und mit der Hitze in diesem Gewölbe hatten nicht nur die Fans sondern vor allem auch die Musiker zu kämpfen. Daher gab es bestimmt am Ende auch nur zwei Zugaben. Nach anderthalb Stunden verabschiedeten sich Napalm Death, nachdem sie vorher einige Stücke ihres neuen Albums "The Code Is Red ...", und eine wunderbare Auswahl aus ihren früheren Alben zum besten gegeben hatten. Aufgrund unerträglicher Hitze war dieser Gig zwar nur mit freiem Oberkörper zu ertragen, jedoch wegen des Erste-Sahne-Geschreis seitens der Band, konnte ich die verdammte Schwitzerei mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht überstehen.
© Niere
Na endlich! Mein letzter Besuch eines Napalm Death-Konzertes liegt nun schon neun Jahre zurück. Damals waren sie zusammen mit Obituary und Dismemeber in der Stadthalle Mülheim in Köln zu sehen.
Nachdem ich mich nun auf die Reise gemacht, und noch 40 Minuten in Köln im Stau gestanden hatte, stand ich endlich vor der Bühne. Dort gab sich zu diesem Zeitpunkt noch irgendeine junge Band alle Mühe. Drei oder vier Stücke bekam ich noch von den Jungs mit, da fingen sie auch schon an abzubauen, was mir ganz recht war.
Danach spielten Konkhra, welche mir bisher auch völlig unbekannt waren. Der Sound war ganz gut, doch schöne "B.C. Rich"-Gitarren reichen nun mal nicht aus um als Vorgruppe von Napalm Death irgendwelche Zugabe-Rufe zu erhaschen. Also zogen Konkhra ohne der Bitte nach Zugaben nachkommen zu müssen nach ca. 45 Minuten ab.
Nun kamen endlich die englischen Grind-Core-Könige auf die Bühne, brachten die Fans (mich eingeschlossen) sofort in Hochstimmung, und der teilweise sehr matschige Sound Konkhras war vergessen. Nach dem zweiten Titel waren meine Klamotten durchgeschwitzt.
Napalm Death spielten eine sehr gelungene Mischung aus geilen alten Krachern und Titeln ihrer bis dahin letzten Veröffentlichung "words from the exit wound". Zwischendurch brachten sie coole Coverversionen von den Dead Kennedys (nazipunks fuck off), Death, Raw Power (politicians) und sogar von einer weiteren meiner Lieblingsbands - von Slaughter das Kultstück "insinerator". Damit hatten Napalm Death den Vogel abgeschossen! Ich dachte schon Slaughter seien von aller Welt vergessen. Zumal sich irgendeine Poser-Band genauso nennt, und damit den Namen ziemlich besudelt hat.
Auch die Stagediver kamen auf ihre Kosten. Etappenweise ragten mehr Beine als Arme aus dem Pulk von der Bühne nach oben, und von Seitens der Ordner war nach einiger Zeit Resignation angesagt.
Nach diesem Konzert bin ich noch mehr von Napalm Death begeistert als vorher. Auch die Musiker haben einen durch die Bank total sympathischen Eindruck gemacht, und nicht versucht auf Bestie zu machen. Der Sound muß bei Konkhra bestimmt Depressionen hervorgerufen haben, so knackig und sauber wie der war. Aber es ist auch verdammt schwer als Vorgruppe einer solchen Profi-Band zu spielen.
© Niere

