Sie grunzen und kreischen an allen Ecken und Enden dieser unserer Erde. Sie schießen wie Pilze aus dem Boden, und alle wollen die härteste und wildeste Mucke machen. Bei dieser Menge an Bands verliert man schnell den Überblick, und die meisten Kapellen hören sich ziemlich gleich an.
Death Metal ist angesagt, und da fragt man sich warum? Alle wollen sie brutal klingen. Und dazu gehören dann auch Texte über Tod und Teufel, Massaker und Gedärme, Blut und Zombies. Bedauerlich wenn einem da nichts besseres einfällt. Dabei leben wir in einer Zeit in der es doch genug Anlass gibt aufzuschreien, ohne sich irgendwelche Schauermärchen aus den Fingern saugen zu müssen.
Es wird enorm viel Zeit in den Proberäumen und Studios verbracht. Jeder Ton muss 1000-prozentig an seiner angedachten Stelle sitzen. Da werden von den Bands oft solche Meisterwerke an technischer Perfektion abgeliefert, dass man nur staunen kann.
Was ist aber mit Kreativität und Individualismus? Kein Bock? Was ist mit Texten die das Leben, und nicht der Tod schreibt? Keine Ideen? Aber wie sollen die Jungs auch was vom Leben wissen, wo sie doch, nachdem sie abgestillt worden sind, sofort in den Proberäumen verschwunden, und bis zur Veröffentlichung ihres ersten Werkes dort nicht mehr herausgekommen sind.
Wer hat denn noch Ideale und Werte über die er durch seine Musik berichten möchte? Oder liegt es daran, dass es einfacher ist eine Horrorstory zu verfassen, als einen ordentlichen Text auf die Beine zu stellen der einen aussagekräftigen Inhalt, und Hand und Fuß hat? Viel lieber wird sich darauf beschränkt Hände und Füße abzuhacken.
Oft kann man einfach nur froh sein, dass die Texte so grunzend rübergebracht werden, dass man sie sowieso nicht verstehen kann. Wenn man jede Silbe dieses Blödsinns immer mitanhören müsste, so würde bestimmt die eine oder andere Platte nicht mehr aufgelegt werden.
Viele Bands dieses Genres machen heutzutage Musik ausschließlich um Musik zu machen. Das ist ja eigentlich auch in Ordnung. Auch gegen einen Meucheltext habe ich ja hin und wieder nichts einzuwenden; ab und zu kann man ja mal darüber lachen. Aber war diese krasse Musik in ihren Ursprüngen nicht nur dafür da uns zu gefallen, sondern es sollte sich damit vom Pop und all dem anderen kommerziellen Zeug abgesetzt werden. Da waren Bands die hatten etwas auszudrücken. Die haben ihre Wut über soziale Ungerechtigkeiten hinausgeschrieen. Die hat es angekotzt, dass alle Industriestaaten die Länder der Dritten Welt ausbeuten. Die waren im Tierschutz aktiv. Die haben uns immer wieder auf Korruption und Vetternwirtschaft hingewiesen. Ja, die haben sich richtig Luft gemacht. Und um so größer der Hass oder die Verzweiflung über die ganzen Missstände war, desto energiegeladener und besser war deren Musik.
Da kam es nicht darauf an einen Song zu produzieren an dem es technisch nichts zu bemängelnden gibt. Es sollte mit der Musik ein Ruck durch die Hörer gehen, und sie sollten wachgerüttelt werden um zu sehen was um sie herum passiert. Heute scheint es, dass den Leuten alles egal ist, und sie einfach nur »feiern« wollen. Wenn ich das schon höre - feiern. Was gibt es denn immer weiter zu feiern? Sind denn auf einmal alle zu Idioten mutiert? Früher hat man das Kind beim Namen genannt, und es wurde sich am Wochenende nicht zum abfeiern, sondern zum saufen und kiffen getroffen. Natürlich wurde auch schon mal eine Geburtstagsfeier zelebriert, das war aber auch das einzigste Wort in dem der Begriff »feiern« vorkam.
Ich würde mir wünschen, dass die Leute sich nicht so viel nur um sich selbst kümmern würden. Mit dem ganzen Schwachsinn den viele Bands in ihren Texten verzapfen, tragen sie nicht gerade zur Bildung ihrer Hörer bei. Das ist ja auch kein Muss, aber es wäre doch viel schöner ein bisschen mehr Stil an den Tag zu legen. Das Publikum dieses Genres wird schließlich auch immer jünger. Auf dem "Summer Blast Festival" in Trier (siehe Konzertbericht) waren so viele junge Bürschelchen, dass es sich glatt gelohnt hätte eine Hüpfburg aufzubauen. Mir ist es sogar passiert, dass mich zwei Burschen gesiezt haben. Nun ja, ich bin 67er Baujahr und in deren Augen bestimmt ein Opa. Es ist ja schön, dass es Nachwuchs gibt dem diese Musik gut gefällt, aber dann sollten die Bands auch ein bisschen verantwortlicher an das Schreiben der Texte gehen. Es wäre doch schön wenn die jungen Leute neben dem Erlebnis fette Musik gehört zu haben, auch noch auf Themen angesprochen werden die einen gewissen sittlichen Nährwert haben.
Napalm Death sind noch eine der wenigen Bands welche sich Gedanken zu ihren Texten machen. Sie greifen immer aktuelle politische Themen auf die uns alle etwas angehen. Und ihnen werden auch nicht die Texte ausgehen, weil es immer genug neue Scheiße in der Welt geben wird die man mal ansprechen sollte.
Ein riesiges Lob an Napalm Death.
© Niere

